Kickboxen: was es ist und wie du startest

Kickboxen ist ein Kampfsport, in dem du mit Händen und Füßen angreifst. Die Spanne reicht von kontrolliertem Point Fighting auf der Matte bis zum Vollkontakt im Ring. Starte mit einem Probetraining im Verein.

Was ist Kickboxen genau?

Im Kickboxen schlägst und trittst du in einem festen Regelwerk. Die Wurzeln liegen laut WAKO Deutschland, dem Bundesfachverband, in den USA der 1970er-Jahre: Auf Basis von unter anderem Karate, Taekwondo und Thai-Boxen entstand dort das Sport-Karate, 1977 wurde die WAKO als Weltverband gegründet. Vom Boxen hat der Sport laut Regelwerk vieles übernommen, etwa Technik und Sicherheitsbestimmungen. WAKO Deutschland zählt nach eigenen Angaben über 37.000 Sportlerinnen und Sportler in mehr als 400 Vereinen.

„Kickboxen“ ist aber kein einheitliches Training. Die WAKO trennt Disziplinen auf der Matte (Tatami) und im Ring. Sie unterscheiden sich darin, wie hart du triffst. Genau das fragst du den Verein, bevor du hingehst.

Die Disziplinen der WAKO

Wettkampfregeln der WAKO Deutschland, Stand 2021 und abgerufen am 05.11.2026, K1 Style mit Regeländerung ab 01.01.2027. Das Training im Verein kann davon abweichen.
Point FightingMatteLeicht, kontrolliertNach jedem gültigen Punkt stoppt der Kampfrichter
LeichtkontaktMatteLeicht, kontrolliertEs wird durchgekämpft
Kick LightMatteLeicht, kontrolliertWie Leichtkontakt, dazu Tritte mit dem Spann zum Oberschenkel
VollkontaktRingVollRingsport-Disziplin ohne Oberschenkel-Tritte
Low KickRingVollWie Vollkontakt, dazu Schienbein-Tritte zum Oberschenkel
K1 StyleRingVollZusätzlich Knie, Ellbogen verboten, Clinch und Festhalten laut WAKO ab 01.01.2027 verboten

K1 Style ist eine Ring-Disziplin mit vollem Kontakt, in der Hände, Füße und Knie erlaubt sind.

Dazu kommen die Musikformen, eine Disziplin ohne Gegner mit einstudierten Abläufen. Als Einsteiger musst du dich nicht festlegen. Wettkampf ist kein Muss, viele Vereine bieten Kickboxen auch als Breitensport an.

Kickboxen-Techniken: Schläge und Tritte

Die Grundschläge sind dieselben wie im Boxen: Jab (gerade Führhand), Cross (gerade Schlaghand), Haken, Uppercut. Im K1 Style kommt der Handrückenschlag aus der Drehung (Spinning Backfist) dazu. Außerdem listet das Regelwerk K1 Style unter anderem diese Tritte:

  • Vorwärtskick (Frontkick): gerade nach vorn
  • Seitlicher Fußtritt (Sidekick)
  • Halbkreisfußtritt (Roundhouse Kick): der Tritt von der Seite
  • Hakentritt (Hook Kick)
  • Fußfeger (Foot Sweep): Fuß gegen Fuß, um das Gleichgewicht zu stören

Lerne die Tritte zuerst langsam und niedrig. Beim Halbkreisfußtritt dreht der Standfuß auf dem Ballen mit, sonst geht die Drehung ins Knie. Beweglichkeit kommt mit der Zeit, hohe Tritte sind kein Einstiegstest. Die Hände und die Schritte kannst du dir unter Boxschläge: alle Namen und Nummern und Beinarbeit ansehen. Die Stellung im Kickboxen muss aber auch zu den Tritten passen, das zeigt dir dein Trainer.

Kickboxen-Training: So läuft eine Stunde ab

Einen festen Ablauf gibt es nicht, jeder Verein macht es etwas anders. Der Aufbau unten ist unser Beispiel dafür, worauf du dich einstellen kannst.

Ein typischer Aufbau

  1. 1
    Aufwärmen und Beweglichkeit

    Laufen, Seilspringen oder Gymnastik, dazu Übungen für Hüfte und Beine, weil die Tritte sie brauchen.

  2. 2
    Hände und Schritte

    Stellung, Schritte und Schläge, oft in der Luft und mit der ganzen Gruppe.

  3. 3
    Tritte

    Einzelne Tritte langsam und mit Korrektur, dann in Verbindung mit Schlägen.

  4. 4
    Pratzen oder Sack

    Kombinationen auf Pratzen, das sind gepolsterte Schlagflächen, die dir jemand hinhält, oder am Sack.

  5. 5
    Partnerübungen und Abschluss

    Kontrollierte Übungen nach Ansage des Trainers, je nach Gruppe auch Kraft und Ausdauer zum Schluss.

Kickboxen in deiner Nähe finden und starten

Geh zu einem Probetraining, bevor du etwas kaufst. Einen Verein in deiner Nähe findest du über die Suche nach „Kickboxen“ und deiner Stadt oder über die Landesverbände der WAKO Deutschland. Eine Vereinssuche hat die Seite nicht, sie nennt aber die Kontakte der 15 Landesverbände. Es gibt auch Schulen und Studios außerhalb der WAKO, die Disziplinen heißen dort teils anders.

Dein Start ins Kickboxen

Was du fragst und einpackst, gilt ähnlich wie beim Probetraining im Boxen. Bei der Ausrüstung kommt zur üblichen Box-Ausrüstung meist Schienbeinschutz dazu, je nach Verein auch Fußschutz. Die WAKO schreibt für den Wettkampf Kopfschutz vor. Was im Training gilt, legt der Verein fest.

Was kostet Kickboxen?

Eine verlässliche Preisübersicht für Deutschland kennen wir nicht. Die beiden Beispiele unten sind deshalb kein Marktpreis, und wir haben sie weder geprüft noch empfehlen wir sie.

  • Eine Kampfsportschule in Filderstadt nennt auf einem Kursaushang (Kursstart Juni 2025) für Neuverträge 41 € im Monat für einen Kickboxkurs für Frauen und 51 € im Monat für alle Kurse.
  • Der Zentrale Hochschulsport München nennt für das Basic-Ticket Sommer 2025, das Voraussetzung für seine Kurse ist, 12 € für Studierende und 22 € für Beschäftigte und andere Gruppen. Das Angebot gilt nur für diese Gruppen.

Frag beim Anbieter nach Beitrag, Aufnahmegebühr, Laufzeit und Kosten fürs Probetraining. Spannen fürs Boxen stehen auf der Seite zum Probetraining, für Kickboxen sind sie ungeprüft.

Wie gefährlich ist Kickboxen?

Kickboxen ist ein Sport mit echtem Verletzungsrisiko, vor allem dort, wo voll getroffen wird. Für Wettkämpfe wertete eine Studie die Akten der Nevada Athletic Commission aus 15 Jahren aus, mit 481 Kämpfern. Auf 1.000 Kampfeinsätze kamen rund 390 Verletzungen. Wo die Körperregion dokumentiert ist, betrafen 57,8 Prozent Kopf und Hals und 26,1 Prozent die Beine (bei 47,6 Prozent fehlt sie). Wo die Art dokumentiert ist, waren Platzwunden (70,6 Prozent) und Brüche (20,6 Prozent) am häufigsten (bei 64,2 Prozent fehlt sie). Profis verletzten sich rund 2,5-mal so oft wie Amateure, bereinigt rund doppelt so oft. Je Kampfminute war der Unterschied kleiner und nicht signifikant.

Auf dein Hobbytraining lassen sich diese Zahlen nicht übertragen. Steuern kannst du das Risiko vor allem über den Kontakt. Frag deshalb, wie hart im Training getroffen wird, und mach Sparring nur unter Aufsicht eines Trainers.

Bei Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Gleichgewichtsproblemen nach einem Kopftreffer hörst du auf und lässt dich ärztlich untersuchen.

Kickboxen zuhause üben: Was allein geht

Zuhause übst du Kickboxen am besten als Ergänzung zum Verein. Hand-Kombinationen, Stellung, langsame Tritte und Beweglichkeit gehen auch allein. Prüf zuerst den Platz, denn ein Tritt braucht mehr Raum als ein Schlag. Für deine Runden hilft dir der Runden-Timer, und wie du dich ohne Trainer selbst kontrollierst, steht beim Boxtraining zuhause. Filme auch deine Tritte und prüf immer nur eine Sache.

Was dir dabei fehlt, ist die Reaktion eines Partners. Das Treten gegen einen Gegner lernst du im Verein. Hart gegen einen Sack treten solltest du erst, wenn dir jemand die Technik gezeigt hat.

Boxen oder Kickboxen: Was besser zu dir passt

Willst du Beine einsetzen und deine Kontaktstärke über die Disziplin wählen, nimm Kickboxen. Willst du dich auf Fäuste, Beinarbeit und Ausweichen konzentrieren und vieles auch allein üben, nimm Boxen.

Boxen und Kickboxen im Vergleich

Kickboxen nach dem Regelwerk der WAKO Deutschland, Stand 2021, die übrige Einschätzung ist von uns.
EinsatzNur FäusteFäuste und Beine
Fokus im TrainingSchlagtechnik, Beinarbeit, Abwehr mit dem OberkörperHände und Füße im Wechsel, mehr Beweglichkeit
Kontakt wählenÜber Trainingsform, Sparring ist freiwilligAuch über die Disziplin, von Point Fighting bis K1 Style
Üben alleinViel möglichMöglich, Tritte brauchen Platz
AusrüstungBandagen, HandschuheDazu meist Schienbeinschutz

Noch unsicher? Der Test Welcher Kampfsport passt zu mir stellt dir vier Fragen dazu.

Worin unterscheiden sich Kickboxen und Muay Thai?

Muay Thai ist der Nationalsport Thailands und wird oft auch Thaiboxen genannt. Er setzt neben Fäusten und Tritten auch Knie und Ellbogen ein, und der Clinch, der Kampf aus der Umklammerung, ist fester Teil davon. Im Kickboxen der WAKO sind Ellbogen verboten, und Knie gibt es nur im K1 Style.

Reizt dich gerade der Clinch, such dir ein Muay-Thai-Gym und schau dort zu. Die Regeln unterscheiden sich je nach Verband, frag also vor Ort, was im Training vorkommt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Kickboxen und Boxen?

Beim Boxen setzt du nur die Fäuste ein, beim Kickboxen zusätzlich die Beine. Dadurch gibt es mehr Techniken und andere Distanzen. Die Grundschläge sind dieselben, das Kickboxen hat vieles aus dem Boxen übernommen.

Ist Kickboxen für Anfänger geeignet?

Kickboxen eignet sich auch ohne Vorerfahrung. Frag beim Verein, ob es eine Anfängergruppe gibt und welche Disziplin trainiert wird. Hast du Vorerkrankungen, oder bist du über 35 und hast mindestens ein Jahr keinen Sport getrieben, klär den Start vorher ärztlich ab.

Kann man Kickboxen zuhause lernen?

Die Grundlagen kannst du zuhause üben: Stellung, Schläge, langsame Tritte, Beweglichkeit. Distanz und Timing gegen einen Partner lernst du nur im Training.

Quellen (19)
  1. WAKO Deutschland: Regelwerk Ringsport, allgemeine Grundlagen, abgerufen 27.06.2021
  2. WAKO Deutschland: Regelwerk K1 Style, abgerufen 27.06.2021
  3. WAKO Europe: WAKO Rules changes and updated medical forms, abgerufen 23.04.2026
  4. WAKO: Rules change K1 Style, gültig ab 01.01.2027, abgerufen April 2026
  5. WAKO Deutschland: Geschichte, 15.04.2023
  6. Lystad: Injuries to Professional and Amateur Kickboxing Contestants, Orthopaedic Journal of Sports Medicine, 2015
  7. Kursaushang einer Kampfsportschule in Filderstadt (Budo-Keller), Preisbeispiel, abgerufen Kursstart Juni 2025
  8. Zentraler Hochschulsport München: Boxen, Kickboxen, Konditionstraining, Preisbeispiel, 05.11.2026 (Abruf), Ticket Sommer 2025
  9. WAKO Deutschland: Regelwerk Point Fighting, abgerufen 24.05.2021
  10. WAKO Deutschland: Leichtkontakt, 05.11.2026 (Abruf)
  11. WAKO Deutschland: Kick Light, 05.11.2026 (Abruf)
  12. WAKO Deutschland: Low Kick, 05.11.2026 (Abruf)
  13. WAKO Deutschland: Landesverbände, 05.11.2026 (Abruf)
  14. WAKO Deutschland: Startseite, 05.11.2026 (Abruf)
  15. AOK: Sportmedizinische Untersuchung, abgerufen 26.08.2026
  16. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Gehirnerschütterung, 02.09.2026
  17. Wikipedia: Kickboxen, 05.11.2026 (Abruf)
  18. Wikipedia: Muay Thai, 05.11.2026 (Abruf)
  19. Evolve MMA: Kickboxing vs. Muay Thai, 05.11.2026 (Abruf), ohne Datum auf der Seite
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